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Die Spergauer Lichtmeß - eine uralte Tradition

Am ersten Sonntag im Februar ist in Spergau an Ausschlafen nicht zu denken.

Ab 4 Uhr etwa gellen Urlaute durchs Dorf, Fanfaren, Johlen, Geschrei: Traditionsgemäß wird zur Lichtmeß geweckt - einem mitreißenden und herzerfrischenden Brauch, der seine Wurzeln bereits in vorchristlicher Zeit hat.

Der Schriftsteller Jürgen Jankofsky, ein herausragender Kenner und charmanter Erzähler der Geschichte und der Bräuche der Region, hat sich auch über die Spergauer Lichtmeß ergiebig ausgelassen - etwa in seinem beachtenswerten Büchlein “Spergauer Lichtmeß-Berichte“. Hieraus einige kurze Beschreibungen zur ungefähren Darstellung des imposanten Volksfestes, das jedes Jahr zahlreiche Besucher nicht nur aus der unmittelbaren Nachbarschaft anlockt. Wobei - wie Einheimische immer wieder hervorheben - eine Präsentation in Worten niemals den wahren Geist der Lichtmeß erfassen kann. Das schaffe nur die unmittelbare und innige Teilnahme. Zudem muss sogar von einer “Lichtmeß-Trilogie“ gesprochen werden, bezieht man korrekter weise die so genannte “Wurstdisco“ und den “Wursttanz“ an den unmittelbar voraus gehenden Wochenenden mit ein.



Zurück zum großen Tag. Mittlerweile künden die Zeiger am Spergauer Kirchturm - dem Wahrzeichen der 1.300 Einwohner zählenden Gemeinde - fast 6 Uhr an. Da versammeln sich die Mitglieder der Lichtmeßgesellschaft im Großen Saal des Gasthofes “Zur Linde“. Gegen 7 Uhr, bevor der erste Sonnenstrahl den Ort erreicht, formiert sich das bunte Volk zum Umzug durchs Dorf. Nun scheinen mittlerweile alle Einwohner Spergaus auf den Beinen, Jung und Alt, und hunderte Schaulustige säumen die Straßen.
Die Kapelle beginnt zu schrummen. Der Lichtmeßzug setzt sich in Bewegung. Voran der Läufer, der Bändermann - die wohl prächtigste und den nahenden Frühling verkörpernde Figur, dann der Registrator, ihm folgend die sechs Lichtmeßältesten - die Küchenburschen mit ihren Küchenmädchen, schließlich wohlgeordnet all die anderen streng nach Vorschrift kostümierten Lichtmeßfiguren: Handelsmänner und Guckekastenmann, Vögel, der Milchkannen- und die Wurststangenträger, Kornweib, Schnurrradmann, Soldaten, Schwarzmacher, Pritscher und Eierfrauen. Der Erbsbär schüttelt an der Kette des Bärenführers bedrohlich sein zu eng gewordenes Winterfell, stößt wild brummend in die Menge. Die zweibeinigen Pferde ziehen, angetrieben vom Kutscher, symbolisch und Funken sprühend einen Pflug zu Felde...

Der Lichtmeßzug erreicht den Bäckerplatz - unmittelbar neben der Kirche gelegen. Dort brennt bereits lichterloh ein aus Plunder angefachtes Feuer, und der Lichtmeßzug kommt im Halbkreis zum Stehen. Die zweibeinigen Pferde jagen mit dem Pflug durch die Glut.
Plötzlich hebt der Registrator sein Namensregister - und die ganze wohlgeordnete Gesellschaft gerät schreiend durcheinander: Die Schwarzmacher und Pritscher beginnen ihr Tagwerk. Geschwärzt zu werden ist eine Ehre, die eigentlich nur den Jungfrauen des Ortes zukäme, mittlerweile aber jeder Frau zuteil wird. Mitglied der Lichtmeßgesellschaft kann nur werden, wer gebürtiger Spergauer, mindestens 14 Jahre alt, männlich und unverheiratet ist. Ausnahmen bestätigen allerdings auch diese Regeln: “Ältere Herren“ können den Milchkannenträger, den Erbsbär und die Pferde darstellen. Zudem dürfen sechs volljährige und unverheiratete Frauen als Küchenmädchen Partnerinnen der Lichtmeßältesten - den Küchenburschen - sein.

Die Lichtmeßgesellschaft ist streng hierarchisch geordnet. Von Lichtmeß zu Lichtmeß steigt man von Figur zu Figur auf. Beginnend als Eierfrau oder Pritscher wird man Schwarzmacher, Soldat, Wurststangenträger, Vogel... - vielleicht Registrator oder Bändermann, schließlich Küchenbursche. Die Position des Ersten bzw. Ältesten Küchenburschen erreicht zu haben, ist eine ehrenvolle Sache in Spergau. Lange vor und nach dem Fest steht der Lichtmeßälteste im Mittelpunkt des Interesses. Da hat schon manch einer seine Hochzeit um einige Monate oder gar Jahre verschoben...

Zurück zum Geschehen am großen Tag: Während Schwarzmacher und Pritscher Mädchen und Schaulustige durchs Dorf jagen und mit einer schwarzen Creme beschmieren - um symbolisch den Winter zu vertreiben, ziehen andere Lichtmeßfiguren von Haus zu Haus, singen, tanzen, verkaufen, beschwören, lassen vom Lichtmeßtrunk kosten, treiben Gaben ein zum gemeinsamen Verzehr - gehen Heische. Allen voran der frühlingsbunte Bändermann, der Läufer, der zahllose Wünsche und Hoffnungen fürs kommende Jahr durchs Dorf trägt. Nicht zu vergessen die Lichtmeßkarre, das “Schicksalsgefährt“ - das in sich ein sichtbares Geheimnis birgt, welches früher einmal die nahe Zukunft gewesen sein soll.

Bevor der letzte Sonnenstrahl weicht, versammelt sich die Gesellschaft nach getaner Lichtmeßarbeit wieder auf dem Bäckerplatz - nach rund zwölf Stunden, zur Demaskierung. Der mittlerweile heisere Registrator überprüft erneut die Anwesenheit, dann zieht der fröhliche Tross schunkelnd zum Gasthof “Zur Linde“ weiter - zum finalen Lichtmeßtanz. Hier erreicht die Begeisterung ihren Höhepunkt, werden die Mitglieder der Lichtmeßgesellschaft mit Ovationen empfangen. Es folgen ungestüme Darbietungen der einzelnen Figurengruppen, das so genannte Auskehren des Saales, dann der eigentliche Lichtmeßtanz - eröffnet vom Läufer und dem ältesten Küchenmädchen. Die Stimmung brodelt heftig hoch und hält sich bis weit nach Mitternacht.

Obwohl da längst schon wieder Montag ist...


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